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Autor: admin

„Es welken alle Blätter“ (1.11.1979)

„Es welken alle Blätter“

Kerbsingen des „Sängerkranzes“ war überfüllt

lad Eine „Uraufführung“ gab es beim Kerbsingen des „Sängerkranzes“ in der Linde“ am Montag: die Sänger trugen, musikalisch geleitet von Vizedirigent Arthur Fenn, „Zwölf Räuber“ vor, vielbeklatschte Solisten waren Hermann Gaubatz und Heinz Weilmünster.

Heinz Weilmünster sang auch „Der alte Sänger“, wie es in jedem Jahr immer wieder lebhaft gewünscht wird – es ist wohl das Lieblingslied der Gäste beim Kerbsingen, die übrigens nicht nur aus Dietzenbach kommen, auch in Dreieichenhain, Götzenhain, Neu-Isenburg gibtes etliche, die schon seit Jahren am Kerbmontag nach Dietzenbach kommen. Als die Sänger gegen halb elf in die „Linde“ kamen, war schon fast der letzte Platz besetzt, und so blieb es bis zum frühen Nachmittag: auf einen, der ging, kamen mindestens zwei neue herein.

Eberhard Scholz, Sängerkranz-Vorsitzender, begrüßte die Gäste, unter denen auch der Bürgermeister, etliche Stadtverordnete und die Vorsitzenden anderer Vereine zu sehen waren. Er sprach die Freude aus – und geradezu frenetischer Beifall bewies, daß er allen aus dem Herzen gesprochen hatte -, daß „wir wieder einmal in unserer alten Linde zusammen sind, deren Umbau so dringend für die Vereine ist“.

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Lustig gings zu beim Kerbsingen des Sängerkranzes: heitere Volkslieder wechselten sich ab mit alten Dietzenbacher Volksliedern‚ der Rhein wurde besungen, der Wein, die Liebe und die Herbstsonne und schließlich durfte auch das alte Kerblied: „Es welken alle Blätter“ nicht fehlen.

Text: Gudrun Ludewig
Fotos: Peter Keller

Quelle: Dietzenbacher Stadtanzeiger – Donnerstag, 1. November 1979

Die Kerb steht ins Haus (25.10.1979)

Die Kerb steht ins Haus

Umfangreiches Programm zum nächsten Wochenende

Dietzenbach (gs) — Die „Kerbbopp“ ist bereits fertig – die diesjährigen „Kerbborsche“ des Jahrgangs 1961 haben sie mit viel Mühe, Stroh und alten Kleidungsstücken am vergangenen Dienstag „zusammengeflickt“. Zum 225. Kirchweihfest wird damit eine alte Tradition fortgesetzt und entsprechend umfangreich ist auch das Programm, das sich die „Kerbborsche“ in Dietzenbach ausgedacht haben.

Die Feierlichkeiten beginnen bereits am kommenden Freitag nachmittag mit dem Aufstellen des Kerbbaums vor der „Licher Pilsstube“ in der Frankfurter Straße 80 mit anschließendem Antrinken der Kerb bei „Kerbvadder“ Buch. Am Samstag nachmittag ziehen die „Kerbborsche“ dann durch sämtliche Dietzenbacher Gaststätten und  Samstag abends ist großer Kerbtanz in der Wingertsberghalle.

Am Sonntagvormittag wird mit einem Umzug der „Kerbborsche“ durch Dietzenbachs Straßen zusammen mit dem SG-Spielmannszug der sogenannte Weckruf stattfinden, und abends ist dann wieder Kerbtanz – diesmal in der SG-Halle an der Offenthaler Straße.

Der Montagvormittag beginnt mit einem Frühschoppen bei „Kerbvader“ Buch in der Frankfurter Straße mit anschließendem Besuch des Kerbplatzes.

Am Dienstagabend wird dann am Trinkborn die „Kerbbopp“ verbrannt. Die anschließende „Trauerfeier“ findet beim „Kerbvadder“ Buch statt.

Am Samstag, dem 27. Oktober 1979, jährt es sich ja zum 225. Male daß die evangelische Kirche an der Darmstädter Straße eingeweiht wurde. Nach den Vorstellungen des Kirchenvorstandes soll  dieses Jubiläum mit einer Festwoche vom 28. Oktober bis 4. November gebührend begangen werden, wozu folgendes Programm erarbeitet wurde (soweit nicht anders vermerkt, finden alle diese Veranstaltungen im evangelischen Gemeindehaus, Darmstädter Straße, statt).

Sonntag, 28. Oktober: 10 Uhr, Festgottesdienst zur Eröffnung der Jubiläumswoche anläßlich des 225. Kirchweihfestes unter Mitwirkung des Jugendchores. Predigt: Propst Reinhard Walter, Offenbach.

Nach dem Festgottesdienst werden im Gemeindehaus einige Grußworte übermittelt. Es sprechen: Dekan Georg Blum aus Hainburg für das Evangelische Dekanat Rodgau, je ein Vertreter der Martin-Luther-Gemeinde Steinberg und der katholischen Pfarrgemeinde, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rehschuh (oder Vertreter), Bürgermeister Dr. Friedrich Keller und ein Vertreter des Heimatvereins. Die Gemeinde ist – soweit die Plätze reichen – nach dem Gottesdienst ins Gemeindehaus eingeladen. Getränke stehen bereit.

Montag, 29. Oktober: Ab 14:30 Uhr sind alle älteren Gemeindeglieder zu einem Nachmittag mit einem abwechslungsreichen Programm eingeladen. Eine besondere Einladung gilt auch den Männern (nach der Kaffeepause gibt es noch Apfelwein). Im 1. Teil des Programms erfolgt ein Rückblick auf 225 Jahre ev. Kirche in Dietzenbach. Bilder, Dias, interessante Begebenheiten aus früherer Zeit werden vorgeführt und berichtet. Im 2. Teil werden Vertreter des Heimatvereins mit Gedichten und Liedern aus dem alten Dietzenbach für Stimmung sorgen. Ausreichend Kaffe und Kuchen werden kostenlos gereicht.

Die älteren Gemeindeglieder, die schlecht zu Fuß sind, werden gebeten, beim Pfarramt Süd, Telefon 23595 anzurufen: Sie werden dann abgeholt und natürlich auch nach Beendigung der Veranstaltung (etwa gegen 18 Uhr) wieder zurückgebracht.

Dienstag, 30. Oktober: 19.30 Uhr, traditioneller „Kerbschoppen“ unter Mitwirkung des Kirchenchores; Apfelwein, Bier und Würstchen stehen bereit.

Am Mittwoch, dem 31. Oktober 1979, findet keine Veranstaltung statt!

Donnerstag, l. November: Kinderfest im neuen Gemeindezentrum in der Rodgaustraße 40, und zwar um 10.30 Uhr: Das Darmstädter Puppenspiel (Rudolf Fischer) zeigt den Kasper-Krimi „Die Räuber Krips und Kraps und der Wunderschirm“ für Kinder von 4 bis 10 Jahren. Eintritt: 2.- DM.
15 Uhr: Buntes Programm, unter anderem mit: Flohmarkt, Dritte-Welt-Stand, Kuchen- und Puddingtheke, Tee für Kinder und Erwachsen, Basteln für 4- bis 6jährige (Mobile und Klebearbeiten); Töpfern für Kinder ab 10 Jahren; Quiz mit Preisverteilung.
17.15 Uhr: Man tanzt gemeinsam Volkstänze.

Freitag, 2. November: 20 Uhr, „Betrachtungen zur Geschichte der evangelischen Kirche in Dietzenbach“. Es sprechen Otto Mau und Hans Schmandt.


Aufhebung der Sperrzeiten,

Wie das Ordnungsamt der Stadt Dietzenbach mitteilt, wird aus Anlaß der Kirchweih die Sperrzeit für alle Schank- und Speisewirtschaften an folgenden Tagen aufgehoben: Vom Samstag (27.l0.) auf Sonntag (28.10.), vom Sonntag auf Montag (29.10.), und vom Montag auf Dienstag (30.10.).


Samstag, 3. November: 10 Uhr, „Kinder malen die evangelische Kirche“. Ausstellung der Bilder. (Ende der Ausstellung um 17 Uhr).

Sonntag, 4. November: 10 Uhr, Gottesdienst zum Reformationsfest und zum Abschluß der Festwoche.

10 Uhr: Geistliche Musik. Joh. Seb. Bach: Psalm 51, Kantate Nr. 18, Kantate Nr. 106. Ausführende: Jugendchor und Kirchenchor der ev. Kirchengemeinde. Leitung: Ruth Wiegang. Unkostenbeitrag: 5 Mark; Schüler und Rentner 3 Mark.

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Mit viel Mühe, Stroh und alten Kleidungsstücken haben sich die „Kerbborsche“ des Jahrgangs 196l ihre „Kerbbopp“ gebastelt. Am Dienstagabend, dem 30. Oktober wird das schöne Stück am Trinkborn verbrannt. Die anschließende „Trauerfeier“ findet bei „Kerbvadder“ Buch statt.
Foto: Giesa


Dietzenbacher Kerblied

1. Es welken alle Blätter, sie
fallen alle ab (Refrain: uff
die Kerb), und mein Schatz
hat mich Verlassen, ist jahre-
lang schon fort (uff die
Kerb).

2. Ins Kloster wollt sie ge-
hen. Wollt werden eine Nonn
(uff die Kerb) und drum will
ich die Welt durcheilen, bis
daß ich zu ihr komm (uff die
Kerb).

3. Im Kloster angekommen,
ganz leise kIopf ich an (uff
die Kerb), gebt heraus die
jüngste Nonne, die zuletzt
ins Kloster kam (uff die
Kerb).

4. ’s ist keine angekommen,
wir geben auch keine raus
(uff die Kerb), denn was drin
ist, das muß drin bleiben, im
schönen Nonnenhaus (uff
die Kerb).

5. Was steht da hinter der
Türe, schneeweiß war sie
gekleidt, und ihr Haar war
abgeschnitten, zur Nonn
war sie bereit (uff die Kerb).

6. Was trägt sie unter der
Schürze, ne Flasch‘ Cham-
pagnerwein. Nimm sie hin,
du Herzallerliebster, das so11
der Abschied sein (uff die
Kerb). gs


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Die lange Tradition der „Kerbborsche“ in Dietzenbach wird mit diesem alten Foto deutlich, das etwa um die Jahrhundertwende entstanden ist. Darauf sind die Kerbborsche des Gesangvereins „Sängerkranz“ zu sehen, die sich vor ihrem damaligen Vereinslokal „Zur Post“ an der Schäfergasse d Ecke Bahnhofstraße versammekt haben.


Vereine laden zum Kerbtanz

Dietzenbach (lu) — Aus Anlaß des 225. Kirchweihfestes laden verschiedene Dietzenbacher Vereine alle Mitglieder, Freunde und Gönner zum traditionellen Kerbtanz ein.

Während die TGS Dietzenbach am Samstag ab 20 Uhr ins Reinhard-Göpfert-Haus (Nelkenweg) zum Kerbtanz einlädt, will die Turngemeinde –  ebenfalls am Samstag ab 20 Uhr – in der Halle auf dem Wingertsberg kräftig auf die Pauke hauen. Dort wird die Tanz- und Showband „Allsound“ für die richtige Stimmung sorgen.

Das „Alegro-Quartett“ wird – auch am Samstag um 20 Uhr – zum Kerbtanz der SG Dietzenbach im Vereinshaus an der Offenthaler Straße aufspielen. Die Sängervereinigung „Germania Frohsinn“ bittet dagegen am Kerbmontag, 29.10. ihre Mitglieder, Freunde und Gönner zu einem gemütlichen Beisammensein ab 19 Uhr in den Wingertsbergsaal. Für Unterhaltung hat der Vergnügungsausschuß natürlich gesorgt, und die Wirtsfamilie Werkmann bürgt dafür, daß auch das leibliche, Wohl nicht zu kurz kommt.

Die lange Tradition der „Kerbborsche“ in Dietzenbach wird mit diesem alten Foto deutlich, das etwa um die Jahrhundertwende entstanden ist. Darauf sind die Kerbborsche des Gesangvereins „Sängerkranz“ zu sehen, die sich vor ihrem damaligen Vereinslokal „Zur Post“ an der Schäfergasse d Ecke Bahnhofstraße versammekt haben.

 

Quelle: Dietzenbacher Stadtpost 25.10.1979 Nr. 43

Jahrgang 1978

Der Ildt-Club

Der Ildt-Club (Reiner Wagner, …) hat 1978 die ersten Kerbborsche seit 1951 wieder hervorgebracht.

 

hier fehlt uns noch a Foddo!

 

Kerbbobb: ?

Kerbparre: Reiner Wagner

Kerbborsche: Stefan Buch, Dieter Gaussmann, Reinhardt Hagen, Rainer Keim („Nasses“), Karl-Heinz Kunz, Heinz Werner Schäfer, Gerhardt Schäfer („Bimbo“), Herbert Schmidt („Erbs“), Dieter Schmunk, Heinz Schroth („Schröder“). Michael Stadter

Ehrenkerbborsch: Horst Buch

Kerbvadder: Horst Buch

 

 

Die Grottemolche

1978

Kerbborsche: Stefan Müller, Wesley Lewis, Jochen Biemüller, Jürgen Seib („Kuche“), Erhard Stepka, Clemens Bendel, Gerd Sehnert, Ralf Michel, Wolfgang Michel, Georg Raab

Zeiddungsadickel:

  • Unsere Stadt (02.11.1978) - Quelle: Stadtpost Dietzenbach (2.11.1978)   UNSERE STADT Der Kerbborsch (und gleich noch ein zweiter bei den Senioren) ist in Flammen aufgegangen. Die Kerb 78 ist tot. Es lebe die Kerb […]
  • Diese Kerb: ein guter Neubeginn (02.11.1978) - Diese Kerb: ein guter Neubeginn Als am Kerbmontag beim Frühschoppen in der „Linde“ kein einziges Plätzchen mehr zu finden war, als die Leute dennoch für jeden Neuankömmling noch ein bißchen […]
  • Kerbborsche führten Regiment (31.10.1978) - Neuer alter Brauch kam bei der Kerb hervorragend an Dietzenbach (lad) — Heute, Dienstagabend, kurz nach 20 Uhr, wird die Kerbbobb vom bunten Kerbbaum vor der Licher Pilsstube in der […]

Foddos:

Was noch su wur:

Unsere Stadt (02.11.1978)

Quelle: Stadtpost Dietzenbach (2.11.1978)

 

UNSERE STADT

Der Kerbborsch (und gleich noch ein zweiter bei den Senioren) ist in Flammen aufgegangen. Die Kerb 78 ist tot. Es lebe die Kerb 79.

Die diesjährige war – endlich wieder – recht lebendig. Den Versuch, alte und schon halb vergessene Bräuche wieder zu erwecken, kann man wohl als einigermaßen gelungen bezeichnen. Als die Spielmannsjugend der SG durch Dietzenbachs Straßen am Sonntagmorgen die Kerbborschen vom Ildt-Club mit Musik begleitete, da kam nach langer Zeit wieder einmal so etwas wie Spaß an der Freude der Gemeinschaft auf, ein „Wir-Gefühl“, das uns sonst nicht gerade im Übermaß beschert wird. Aus den Häusern kamen die Leute und tanzten auf der Straße und der Schwung bordete bis in die Gaststätten, wo man so dicht auf dicht beieinander saß wie nur selten.
Und es waren so versichern die, die dabei waren, durchaus nicht nur „alte“ Dietzenbacher‚ wobei dieses „alt“ sich ebenso auf die Herkunft als aufs Alter beziehen mag, denn es hat sich gezeigt, daß gerade die Jugend mit Begeisterung dabei war.
Auch in den Neubaugebieten spielten die Einwohner mit. Es zeigte sich, daß der Wunsch nach der Gemütlichkeit „wie anno dazumal“ „Eingeborenen“ und „Zugezogenen“ gleichermaßen zu eigen ist. Die einen träumen von ihrem „friedlichen“ Dorf zwischen Wiesen und Wäldern, die anderen sind zumeist der Großstadt entlaufen, weil auch sie von einem Ort träumen, der Heimat werden könnte. Das friedliche Dorf kommt niemals wieder, aber — das ahnen wohl Junge und Alte, Altbürger und „Eingeplackte“ – auch die Stadt könnte Heimstatt für alle sein, wenn man sich ab und zu mehr Zeit für friedlichen und fröhlichen Zeitvertreib, für Gemütlichkeit und Geselligkeit nähme, für die liebenswürdige (nicht verbissene) Pflege alter Bräuche, für den Gang durch unsere wunderschönen Wälder, für den Plausch am Gartenzaun oder in der „kleinen Kneipe“ an der Ecke. ‘

In diesem Sinne: auf zur Kerb 79! lad

 

 

Diese Kerb: ein guter Neubeginn (02.11.1978)

Diese Kerb: ein guter Neubeginn

Als am Kerbmontag beim Frühschoppen in der „Linde“ kein einziges Plätzchen mehr zu finden war, als die Leute dennoch für jeden Neuankömmling noch ein bißchen dichter aufeinanderrückten, als der Arthur Fenn die Sänger vom „Sängerkranz“ zu immer neuen Liedern dirigierte, als der Jürgen Heyer vergnügliche Lieder zur Gitarre sang — da kam doch fast ganz richtige Kerbstimmung auf. Beim „Eckert“ in der Babenhäuser Straße hing der grüne Selleriekranz – wie es sich in Dietzenbach von eh und je gehört, nicht das „landfremde“ Fichtekränzi – am Haus, gewunden vom 83jährigen Heinrich Philipp Göckel, der das nun schon seit vielen Jahren tut: als die Kerbborschen noch durch die Straßen zogen, als diese alten Bräuche fast ausgestorben schienen und nun, wo auch die Dietzenbacher wieder zu entdecken scheinen wie hübsch der Väter alte Sitten doch waren.

Vier Jahre ist es nun her, da schrieb die Stadtpost zur Kerb, tröstlich, daß es doch noch einiges Vergnügliche – den Kerbplatz mit vielen Kindervergnügungen, Kerbtanz, fröhliche Runden in den Gaststätten – gebe, wenn auch leider die alten Kerbbräuche, wie sie Heinrich Berz so anschaulich beschrieben hat, wenig mehr übriggeblieben sei.

Das nun wollten einige Männer nicht auf Dietzenbach sitzen lasen‚ Willi Schreiber, Jakob Klößmann, Werner Dutine, Heinz Eberhard zogen vom „Treffpunkt“ aus in den Wald und holten einen Kerbbaum ein, die erste Kerbbopp wurde – auch das alter Brauch – gestohlen und so vergnügte man sich, ohne daß es der Bevölkerung allzu deutlich wurde, drei Jahre. „Wir waren ja nur Kerb-Opas“, meint Willi Schreiber heute mit leiser Selbstironie. Zum Abschied von ihrem Kerbborschendasein hatten sie sich im vergangenen Jahr etwas ganz Neues einfallen lassen:

Mit klingendem Spiel und lustig gewandet zog der SG-Fanfarenzug beim Wecken zur Kerb durch die Straßen. Die neue Form hat allseits viel Anklang gefunden. Foto: Latzke

eine „Kerblies“ wurde an den Baum gebunden, „die war so schön, daß in einer Dietzenbacher Wirtschaft der Wirt eine Ehrenrunde mit ihr drehte“.
In diesem Jahr nun ist der Sprung in die Offentlichkeit gelungen: in den jungen Männern des „Ildt-Clubs“‚ eines Geselligkeitsund Schoppenvereins, der für jeden Ulk und fröhliche Gemeinschaft gut ist, fanden sich jüngere Kerbburschen und der wiedergegründete SG-Fanfarenzug ließ den „Weckruf“ zur Kerb wiederaufleben.
Am Freitagnachmittag schon ging es los: aus dem Walde wurde der stattliche Kerbbaum geholt und vor der Licher Pilsstube, wo „Kerbvadder“ Horst Buch residiert, buntbebändert aufgestellt.
Der „Borsch“, mit Stroh ausgestopft, mit alten Kleidern angezogen, ein Friseurkopf ließ ihn direkt als „Schönling“ erscheinen, wurde auf seinem Stuhl hoch in die Luft gesetzt.
Am Abend kamen die Kerbborschen mit ihren Strohhüten zusammen, Rainer Wagner hatte die Kerbrede, die ihm der letzte „echte“ Kerbborschenjahrgang übergeben hatte, aktualisiert, das Ker-
b1ied‚ auch das noch von anno dazumal, wurde gesungen. Kerbvadder Buch stärkte die Mannen nach so viel Anstrengung mit einer kräftigen Erbsensuppe.
Der Kerbsamstag brachte fröhliches Treiben auf dem Kerbplatz und in den Gastwirtschaften, der Kerbsonntag schon am frühen Morgen den „Weckruf“. Mit einem Ständchen des Fanfarenzuges
beim Kiosk Braun, wo sich der Zug formiert hatte, ging es los, angeschlossen hatten sich auch die „Schoppen-Rangers“ aus der „Guten Quelle“ und der TT und FF-Club 77 der „Harmlosen“ aus der
„Linde“, die die Original-Kerbfahne von 1947 (von Franz Raab zwei Tage gut bewacht) mit sich führten, die jahrelang bei der „Eis-Dorthel“ treu aufbewahrt worden war.
Die Dietzenbacher, sonst doch eher ein ruhiger Menschenschlag, waren an diesem Kerbsonntagvormittag „außer Rand und Band“, wie es einer formulierte, der im Zuge mitzog. Sie kamen aus den Häusern und tanzten auf den Straßen und brachten Trinkbares an. Zu trinken gab es natürlich auch bei den einzelnen Stationen: Licher Pilsstube – Alt-Dietzenbach (wo Wirt Werkmann auf der Straße Tische aufgestellt hatte und viel Beifall damit fand) – Treppchen-Linde. „Das hab ich seit Jahren nicht mehr erlebt“, stellte Gärtner Gall gerührt fest und bewirtete die Kerbborschen spontan.
Ein Erlebnis, das die, die dabei waren, wohl nie vergessen werden, fand in der Wilhelm-Leuschner-Straße statt: Jakob Wolf, einst vor mehr als 25 Jahren Stabführer des damaligen  Spielmannszuges überreichte dem Stabführer des neuen SG-Spielmannszuges den Stab, den er die ganzen Jahre in Ehren gehalten hatte. Albert Meissner trat zurück ins letzte Glied und ließ Jakob Wolf noch einmal den Stab führen. Die „Kleine Garde“ klang auf. Der SG-Fanfarenzug wird, so verlautet – um die Kontinuität der Tradition zu wahren – dem verdienten Jakob Wolf zum „Ehrenstabführer“ ernennen.

Mitsamt Baggagewagen, von Philipp Keim und Schorsch Holzmann mitgeführt – konnte man denn bei diesem ersten Versuch ahnen, wie vorzüglich man unterwegs mit Speis und Trank versorgt werden würde? – kam man schließlich in der „Linde“ an. „Als wir die Linde zum Abschluß bestimmten“, meint Georg Ruchti, der Vorsitzende des Fanfarenzuges, „wußten wir noch nicht, daß unsere SG-Halle termingemäß fertig sein wird.“
Die Kerb 78 war rundherum ein Erfolg. „Auch die Stadt“, so Bürgermeister Dr. Keller „muß den Fanfarenzug und den Burschen vom Ildt-Club herzlich danken für ihre Initiativen zur Wiedererweckung alter Bräuche.“ Sie sind, so hatte es zumindest den Anschein, auf Interesse gestoßen. Nun kommt es, wenn dieser Schwung nicht verpuffen soll, darauf an, daß der „richtige“ Jahrgang im nächsten Jahr die Sache in die Hände nimmt.   lad

Quelle: Dietzenbacher Stadtpost 02.11.1978

Kerbborsche führten Regiment (31.10.1978)

Neuer alter Brauch kam bei der Kerb hervorragend an

Dietzenbach (lad) — Heute, Dienstagabend, kurz nach 20 Uhr, wird die Kerbbobb vom bunten Kerbbaum vor der Licher Pilsstube in der Frankfurter Straße heruntergeholt und feierlich verbrannt. Die Kerb 1978 ist damit beendet.

Sie brachte etwas ganz Neues oder vielmehr die Wiedererweckung eines uralten Brauches: Erstmalig übernahmen wieder „Kerbborschen“ das Regiment. Sie hatten am Freitagnachmittag den stattlichen Baum aus dem Wald geholt, bunt geschmückt mit Bändern und Luftballons und den „Borsch“ mit Stroh ausgestopft und alten Kleidungsstücken“ angezogen, bevor sie ihn auf einen Stuhl hoch am Baume postierten.
Für alle diese Mühen – und als Stärkung wohl für die noch vor ihnen liegenden Strapazen – servierte „Kerbvadder“ Horst Buch den Kerbborschen 78 eine kräftige Erbsensuppe. Rainer Wagner hielt die Kerbrede. Er hatte Kerbrede und Kerblied aus den Händen des letzten aktiven Kerbborschen-Jahrgangs‚ der 1947 die letzte „richtige“ Kerb feierte, erhalten und aktualisiert.
Unter dem Ansturm der „Moderne“ war in der Zwischenzeit der alte Brauch eingeschlafen gewesen, 1974 hatten einige Dietzenbacher – allen voran Willi Schreiber, Jakob Klößmann, Werner Dutine und vor allem auch der kürzlich so tragisch verunglückte Heinz Eberhardt – die Sitte wieder versucht aufleben lassen, doch ihnen, die sich selbst mit leiser Selbstironie als „Kerbopas“ bezeichnen, gelang es nicht, die alte Kerbburschenseligkeit wieder so richtig populär zu machen.

19781031_offenbachpost_1_001Der neue alte Brauch, die Kerb von Kerbborsche regieren zu lassen, kam hervorragend an. Beim neuen SG-Fanfarenzug, dem Ildt-Club und den Schoppe-Rangers fand man begeisterte Mitstreiter. Foto: Latzke

Der neuerliche Versuch stand dagegen von Anfang an unter gutem Vorzeichen: in dem noch jungen wiedergegründeten SG-Fanfarenzug fand sich ein aktiver Verbündeter. Die „Kerbborschen“ – alles Mitglieder des Ildt-Clubs, eines Geselligkeitsvereins und
„Schoppefußballer“, zumeist vom Jahrgang 55 — und die Spielmannsleute fanden sich am Sonntagmorgen zum ersten „Weckruf“ nach dreißig Jahren zusammen. Beim Zug durch die morgendlichen Straßen – von Gasthaus zu Gasthaus sich bewegend – machte die Bevölkerung spontan mit. „Das haben wir in Dietzenbach noch nicht erlebt“ war zu hören als gar auf der Straße gesungen und getanzt wurde.
Das beeindruckendste Erlebnis aber fand in der Wilhelm-Leuschner-Straße statt: Jakob Wolf, der letzte amtierende Stabführer des ehemaligen Spielmannszuges, überreichte spontan Albert Meissner, dem Stabsführer des neuen SG-Spielmannszuges‚ seinen Dirigentenstab‚ den er über 25 Jahre gehütet hatte. Der Bitte, noch einmal selbst in Aktion zu treten, kam Jakob Wolf nach und dirigierte unter großem Beifall „Die kleine Garde“.
Der SG-Fanfarenzug will auch im kommenden Jahr den Kerbborschen Hilfestellung leisten. Nach dem Erfolg dieses Jahres hofft man, daß nun im nächsten Jahr der „richtige“ Jahrgang sich als Kerbborschen zur Verfügung stellt.

Quelle: Offenbach Post 31.10.1978

Ein paar Burschen des „Ilt-Club“ sind entschlossen… (1977?)

Ein paar Burschen des „Ilt-Club“ sind entschlossen, die Dietzenbacher Kerb-Bräuche nicht sterben zu lassen. Da sich in diesem Jahr kein verantwortlicher Jahrgang gefunden hat – es gibt daher weder „Kerbborschen“ noch eine „Bob“ übernimmt der „Ilt-Club“ am Freitag, 28. Oktober, zwischen 16 und 17 Uhr das Aufstellen des traditionellen Kerbbaumes in der Frankfurter Straße 80 (vor der Gaststätte „Licher Pilsstuben“. Am Dienstag, 1. November, wird die Kerb am selben Platz „zu Grabe getragen“.

Quelle: unbekannt – vermutlich 1977

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